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GESCHICHTE
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Auf dem Gebiet Bulgariens haben seit der Steinzeit viele Völker ihre Spuren hinterlassen und dem Land einen einzigartigen Reichtum an historisch wertvollem Kulturgut hinterlassen. Am Kreuzweg zwischen Europa und Asien gelegen, sind die bulgarischen Gebiete seit mehr als 7000 Jahren besiedelt. Alle Völker, die in diesen Breiten lebten – Thraker, Römer, Griechen, Goten, Slawen– haben in der kulturellen Schatzkammer der Welt ihre Spuren hinterlassen.


Die ersten Bewohner des heutigen Bulgariens waren die Thraker. Informationen über sie liefern altgriechische und römische Autoren wie Homer, Herodot, Plato, Tacitus u.a. und die Ausgrabungen von Grabhügeln, die man bis heute verstreut über ganz Bulgarien findet. Es waren Orte, an denen die Mitglieder des Adels begraben wurden. Die aus der Erde geborgenen thrakischen Goldschätze verblüffen unsere Zeitgenossen mit ihrer Kunstfertigkeit und weisen einer großen Zivilisation den ihr in der Geschichte der Menschheit gebührenden Platz zu.


Die Niederlassung der Slawen auf dem Balkan im 6. und 7. Jahrhundert n.Ch. erweiterte die ethnische Vielfalt im heutigen Bulgarien und bleibt ein bis heute prägendes Element. Die modernen Bulgaren sprechen eine südslawische Sprache, die der Russischen ähnlich ist. Der Volksname ist jedoch Bezeichnung für diverse Stammesverbände, die seit dem 5. Jahrhundert in den antiken Schriftquellen unter dem Ethnonym „Bulgaren“ erscheinen.


In der zweiten Hälfte des 7. Jahrhunderts überquerte ein Teil der Bulgaren unter Khan Asparuch die Donau und verbündete sich (nach anderen Meinungen unterwarf) mit der lokalen slawischen Bevölkerung. So wurde im Jahre 678 n.Ch. das Erste bulgarische Reich mit der Hauptstadt Pliska gegründet. Asparuch gilt daher als Gründer des heutigen Bulgarien. Dieses bulgarische Reich war das Erste überhaupt, dem ein byzantinischer Kaiser Tribut zahlen musste, was damals als große Schmach in Konstantinopel empfunden wurde.


Die Ur-Bulgaren belagerten mehrfach die byzantinische Hauptstadt und dehnten unter Khan Krum (802-814) ihr Reich nach Westen bis zur Theiß aus. Im Jahre 718, während des Zweiten Angriffs der Araber auf Konstantinopel, schickte jedoch Khan Terwel seine Armee dem byzantinischen Kaiser Leo III. zu Hilfe, was zur Aufhebung der großen arabischen Belagerung beitrug.  Bis zum Einbruch der Ungarn 895 umfasste das Bulgarenreich den gesamten (nicht-byzantinischen) Balkan und reichte im Norden nach dem Sieg über die Awaren bis nach Budapest.


Heutzutage gehört Bulgarien nach Fläche und Einwohnerzahl zwar nicht mehr zu den zahlenmäßig großen europäischen Ländern, hat aber eine herausragende Bedeutung für ganz Europa, da es vor mehr als 1100 Jahren (864 n.Ch.) das erste europäische Land war, welches das Christentum als Erbe der Heiligen Kyrill und Method in seiner nicht-lateinischen und nicht-griechischen Muttersprache annahm und damit zur Wiege der Kultur aller slawischen Länder wurde.


Diese kyrillische Schrift wird heute neben Bulgarien auch in Mazedonien, der Ukraine, Weißrussland, Serbien, der Mongolei und Russland benutzt. Von bulgarischen Mönchen geschriebene Texte und Übersetzungen ermöglichten z.B. die Christianisierung der Weiten Russlands. Als Ausbildungs- und Kunstzentren spielten die zahlreichen bulgarischen Klöster lange Zeit eine hervorragende Rolle zur Bewahrung des nationalen Geistes und der Kultur, was sich während der osmanischen Herrschaft (1396-1878) als besonders wichtig erwies.


Die türkische Besatzung Bulgariens bedeutete eine Zäsur nicht nur in der bulgarischen, sondern auch in der osteuropäischen Geschichte. Man kann heute ohne Übertreibung sagen, dass die Wurzeln jener tragischen Entwicklung, die mit dem erzwungenen Friedensvertrag von Neuilly 1919 nach dem Ersten Weltkrieg zur Amputation des historischen Bulgarien führte, in die Türkenzeit vor über 600 Jahren zurückreicht.


Am 20. April 1876 kam es zum größten Aufstand der Bulgaren gegen die osmanische Herrschaft. Der Aufstand wurde mit schrecklicher Grausamkeit niedergeworfen, wobei mehr als 30.000 Menschen ihr Leben verloren.


Nur ein Jahr später, nach einer gescheiterten Botschafterkonferenz in Konstantinopel, erklärte der russische Zar Alexander II. am 24. April 1877 dem Osmanischen Reich den Krieg. Am 3. März 1878 wurde in der Kleinstadt San Stefano (heute Vorort von Istanbul) der Friedensvertrag zwischen Russland und der Hohen Pforte unterzeichnet. Der Vertrag legte fest, dass Bulgarien die Länder einschließen sollte, in denen die Mehrheit der Bevölkerung von der Botschafterkonferenz in Konstantinopel als bulgarisch anerkannt worden war. Das bedeutete, dass das neue, auferstandene Bulgarien fast das gesamte ethnische Territorium der Bulgaren umfasste.


Auf dem Berliner Kongress Juni-Juli 1878 änderten jedoch die europäischen Großmächte den Vertrag von San Stefano. Das Territorium von Bulgarien wurde neu aufgeteilt. Der südliche Landesteil verblieb unter türkischem Einfluss und wurde zur autonomen Region Ostrumälien. Die in Mazedonien lebenden Bulgaren blieben weiterhin Untertanen des Sultans. Am 17. April 1879 wählte die Große Nationale Versammlung den deutschen Prinzen Alexander von Battenberg zum bulgarischen Fürst. Damit war die Eigenständigkeit des Landes wieder hergestellt, seine Einheit jedoch nicht.


Alle Kriege, die Bulgarien seit 1878 geführt hat (Bulgarisch-Serbischer Krieg 1885-86, die beiden Balkankriege 1912-1913, Erster und Zweiter Weltkrieg) wurden aus dem Bestreben der Bulgaren nach Wiedervereinigung ihres Landes ausgelöst. Die nationale Einheit wurde jedoch nicht erreicht. Bulgarien kämpfte an der Seite der Mittelmächte im Ersten Weltkrieg (1914-1918) was später zu weiteren territorialen Verlusten führte.


Während des Zweiten Weltkriegs, seit 1941, kämpfte Bulgarien an der Seite der Achsenmächte gegen Jugoslawien und Griechenland. Im Dezember 1941 folgte die Kriegserklärung an Großbritannien und die USA, nicht jedoch gegen die Sowjetunion. Diese erklärte am 5 September 1944 ihrerseits Bulgarien den Krieg. Die Soldaten der 3. Ukrainischen Front marschierten ins Land ein und am 9 September 1944 ergriffen die bulgarischen Kommunisten die Macht. 1946 wurde Bulgarien zur nächsten osteuropäischen Volksrepublik und der Kommunistenführer Georgi Dimitrov zum Regierungschef.   

Am 10 November 1989 wurde der langjährige Partei- und Staatschef Todor Schivkov abgesetzt und damit begann in Bulgarien die politische Wende und der Übergang zu Demokratie und freier Marktwirtschaft. 1990 fanden die ersten freien Wahlen statt und 1991 wurde die neue bulgarische Verfassung verabschiedet. Damit öffnete sich das Land endgültig zum Westen hin. 2004 wurde Bulgarien Vollmitglied der NATO und seit 2007 auch der EU. Damit hat ein neues Kapitel bulgarischer Geschichte begonnen.

 

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